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Barfuß gehen


… die natürlichste Art zu gehen. Entwicklungsgeschichtlich ist das Gehen ohne Schuhe die älteste Art der Fortbewegung. Der gesamte Bewegungsapparat ist darauf abgestimmt mit nackten Füßen durch das Leben zu gehen. Durch klimatische Veränderungen siedelten die Menschen später auch in Regionen, wo es nicht möglich ist, ganzjährig die Füße ohne wärmende Hülle zu belassen. Doch Schuhe mit einer harten Sohle und geformtem Fußbett kamen erst in der jüngeren Vergangenheit auf.

Heute ist es allgemein üblich, vorkonfektionierte Schuhe zu tragen. Diese haben standardisierte Größen und passen nicht immer genau zum Fuß des Trägers. Die Mode trägt hierzu noch ihren eigenen Teil zu einengenden Schnitten und Formen bei, bei denen die Zehen kaum Raum haben, sich im Schuh zu bewegen. Die Sohlen werden aus sehr harten Materialien, wie Plastik, Hartgummi oder dickem, festen Leder hergestellt. Sehr oft, auch bei Schuhen mit weicheren Sohlen, sind dicke, dämpfende und weiche Polster, besonders auf Höhe der Ferse eingearbeitet.

In den letzten Jahren erlangte das Barfußgehen in der westlichen Gesellschaft wieder einige Aufmerksamkeit und ist inzwischen in vielen gesellschaftlichen Bereichen anerkannt und nimmt an Beliebtheit zu.

Hier nun einige Hinweise und Übungen, die helfen können, wieder genußvoll barfuß zu gehen.

 

Unsere Füße beachten

Ein gesunder Fuß ist ein gutes Fundament für den ganzen Körper. Oft beachten wir unsere Füße erst, wenn sie schmerzen. Die Ursachen sind verschieden, doch das in der modernen Welt übliche Schuhwerk engt unsere Füße eher ein, stützt sie mit einem System aus Schienen und Polstern, wie eine Prothese, worin sich der Fuß fast gar nicht mehr bewegen kann.

Die Folgen sind fatal. Die Muskulatur in den Füßen wird nicht mehr benutzt und verkümmert zusehends.

Um diese verkümmerte Muskulatur wieder in Aktion zu bringen, bedarf es viel Geduld und regelmäßiges, dem Leistungsstand angepaßtes Üben.

Ein weiterer Aspekt, der für das Barfuß gehen spricht, sind die Reflexzonen auf der Fußsohle. Deren Vorhandensein ist wissenschaftlich erforscht und anerkannt. Auf der Fußsohle befinden sich Reflexzonen, die mit den Organen in unserem Körper korrespondieren. Werden diese Zonen durch Druck stimuliert, hat das positive Auswirkungen auf die zugeordneten Organe.

 

Anatomie

Am Unterschenkeln befindet sich die Muskulatur die den Fuß beugt und streckt. Der Fuß wirkt unter anderem im Zusammenspiel mit Knie- und Hüftgelenk wie eine Feder und dämpft damit bei jedem Schritt den Aufprall auf den Boden. Die Muskulatur und das Bindegewebe speichern beim Auftreten im Ballengang einen Teil der Energie im Fuß und geben diese beim nächsten Schritt wieder ab.

Beim Auftreten mit der Hacke kann keine Energie in der Muskulatur aufgenommen und gespeichert werden, sondern wird über das gestreckte Knie, das Hüftgelenk und die ganze Wirbelsäule bis in den Kopf fortgeleitet und am Ende als Klopfgeräusch im Kopf spürbar. Mit dem Hackengang verletzen wir uns also selbst.

Um diese Schläge beim Hackengang etwas abzumildern, sind bei modernen Schuhen oft im Bereich der Ferse dicke Polster oder Federungen eingebaut. Dies ist besonders bei teuren Lauf-Sportschuhen leicht erkennbar. Doch wirklich zielführend sind dies Polster eher nicht.

 

Der Ballengang, eine Alternative

Ist Abrollen mit unserem Fuß überhaupt möglich? Unser Fuß ist konkav geformt. Er hat nicht die konvexe Form eines Balles, der auf dem flachen Boden ganz leicht dahinrollen kann.

Nach einem Sprung werden wir intuitiv immer wieder auf dem Ballen landen, um den Sprung abzufedern. Dabei ist es nicht möglich, auf der Ferse zu landen und abzurollen. Das Landen auf der Ferse würde Schmerzen bis in die Wirbelsäule verursachen.

Der Ballengang ermöglicht eine federnde Bewegung, die schwere Schläge auf die Gelenke der Beine und die Wirbelsäule vermindert oder sogar verhindert.

 

Literaturempfehlung

Für weitere vertiefende Informationen zum Ballengang empfehle ich ein Buch von Dr. med. Peter Greb.
Titel der Originalausgabe: "GODO ®, Mit dem Herzen gehen."
ISBN: 978-3929512724

Titel der überarbeiteten Ausgabe: "Ballengang - Rückenschmerzen und Haltungsschäden vorbeugen - Wissenswertes über das natürliche Gehen"
ISBN: 978-3867282543

 

Sicherheit geht vor

wie bei allen neuen Übungen:

  • nicht übertreiben
  • langsam mit kleinen Übungen beginnen.
  • zuerst nur zu Hause, dann kurze Strecken auf Rasen gehen.
  • Vorsicht bei Naturwiesen, diese sind oft uneben und spitze Pflanzenstengel oder Steine könnten zu Verletzungen führen.
  • die Fußsohle durch üben langsam abhärten.
  • Muskuläre, bindegewebige und knöcherne Schwächen müssen langsam, durch vorsichtiges Training überwunden werden. Dies dauert teilweise mehrere Jahre
  • bei empfindlichen Fußsohlen s.g. Barfuß- oder Minimalschuhe für die Übungen im Freien benutzen, jedoch immer normale Schuhe dabei haben.
  • Menschen mit Wundheilungstörungen oder systemische Erkrankungen (z.B. Diabetes melitus, Polyneuropathie, usw.) sollten im Freien ihre Füße immer schützen, um Verletzungen zu vermeiden. Hierfür sind Minimal- oder Barfußschuhe sehr gut geeignet.